Eine Revolution – Aufstand der Gelbwesten (Kinostart: 12. Januar)

Der Dokumentarfilm begleitet vier Protagonisten der Gelbwestenbewegung und gibt spannende Einblicke in die größte Massenprotestbewegung seit den 1968ern. Regie: Emmanuel Gras („Makala“, Grand Prix de la Semaine de la critique in Cannes 2017)

Eine Revolution – Aufstand der Gelbwesten

OT: Un Peuple / A French Revolution

Frankreich 2022; Regie + Kamera: Emmanuel Gras; Schnitt: Karen Benainous; Sound: Antarès Bassis; Produktion: Frédéric Jouve; Produktionsfirma: Les Films Velvet; 104 min, Farbe, DCP frz. OmdU; FSK12

SPIELORTE:
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Berlin, Tilsiter Lichtspiele (19.01.2023-25.01.2023)
Berlin, Lichtblick Kino (19.01.2023-25.01.2023)
Berlin, Sputnik-Kino (19.01.2023-25.01.2023)
Frankfurt am Main, Filmforum Höchst (23.02.2023-01.03.2023)
Hamburg, B-Movie (14.02.2023)
Hannover, Kino im Sprengel (in Planung)
Karlsruhe, Kinemathek (04.02.2023)
Köln, Traumathek (24.01.2023)
Münster, Cinema (19.01.2023-25.01.2023)
Nürnberg, kommkino (11.01.2023-24.01.2023)
Oldenburg, Filmriss (20.04.2023)
Stuttgart, EM Kino (25.01.2023)
Tübingen, Museum-Lichtspiele (19.01.2023-25.01.2023)
Trailer (OmdU)

Oktober 2018, Frankreich. Die Regierung Macron verordnet eine Steuererhöhung auf die Spritpreise. Eine Protestwelle überzieht das ganze Land: der Beginn der Gelbwesten-Bewegung. In Chartres, einem Vorort von Paris, treffen sich die Bürger:innen täglich, darunter Agnès, Benoît, Nathalie und Allan. Wer sind diese wütenden Menschen, was sind ihre Motive? Der Regisseur hat sechs Monate mit ihnen verbracht und zeigt, wie sie ihre Sache selbst in die Hand nehmen, sich organisieren und sich Gehör verschaffen. Ein Film, der detailgenau beobachtet: die Protestmethoden, die Ziele und die inneren Widersprüche der Gelbwesten-Bewegung. Er bewertet nicht, lässt Fragen offen und viel Raum zum Diskutieren.

„Man wünscht jeder zeitgenössischen revolutionären Bewegung einen wertvollen Film wie diesen. Eine abendfüllende Betrachtung, die den Blick nicht bloß auf Eskalation und polemische politische Erwiderung richtet. Auf blockierten Verkehrsweg oder auf skandalisierten Kartoffelbrei auf Sicherheitsglas. Sondern auf Wurzeln und Dialog. Eine Betrachtung, die die Gewalt in den Reihen nicht entschuldigt. Die aber auch von der systemischen Not erzählt. Vom Wert der Debatte. Und von Revolutionären, die dem Unrecht mit Herz und Verstand begegnen möchten. Müssen.“

Hartmut Ernst, Choices

„Stellt beiläufig die Frage, ob und wie eine Revolution in der heutigen Zeit möglich sein könnte.“

Michael Meyns, programmkino.de

„Ein durchweg spannend geratener Film über eine weitgehend hochdemokratische Bewegung, die nicht nur die offiziellen französischen Medien versucht haben, schlecht und systemgefährdend darzustellen. Gras zeigt, dass es zwar nicht einfach ist, eine gemeinsame Sache mit vielen Menschen zu organisieren, aber wenn es dazu käme, dass die Massen von einer Idee getragen werden, Veränderungen möglich sein könnten.“

kulturkueche

„In 100 Jahren könnte der Film im Geschichtsunterricht gezeigt werden, während über die französischen Präsidentschaftswahlen oder das Wesen einer Revolution diskutiert wird.“

Simon Zimmermann, film-rezensionen.de

„Emmanuel Gras schildert präzise die Metamorphosen einer sozialen Revolte.“

Le Monde

„Der Film zeigt uns; Es ist gar nicht so einfach sich mit anderen zu organisieren und Sachen auf die Beine zu stellen. Er zeigt uns aber auch, wenn Menschen zusammen kommen die den Willen zur Veränderung haben, dann bewegt sich auch was.“

Anarchismus.de

„Emmanuel Gras begleitet eine Gruppe Gelbwesten, zwischen 2018 und 2019, bei Demonstrationen, Bürgerdebatten und Konfrontationen mit der Polizei. Dabei gelingt ihm ein Blick auf das Elend der Menschen, einen repressiven Staatsapparat und eine politische Depression, die von allen Besitz ergriffen hat.“

Philipp Stadelmaier, Süddeutsche Zeitung

„Diese Bilder sieht man selten im französischen Kino. Die Kamera fährt durch die gesichtslosen Vororte von Chartres. An ihren Rändern ist die Stadt mit der berühmten Kathedrale kaum zu erkennen. Anonyme Hochhäuser, marode Arbeitersiedlungen, Mehrfamilien-Neubauten. Auf den kargen Grünflächen kein Mensch. Die Gelbwesten – das war der Aufstand der Unsichtbaren lernt man in dem spannenden Film von Emmanuel Gras.“

Simone Reber, SWR2

„Die leise Beobachtungsgeduld von »EINE REVOLUTION« ist entschieden subjektiv, das Betrachten allein genügt dem Regisseur nicht, er schließt sich an. Der Originaltitel »UN PEUPLE« (immerhin nicht »das Volk«, sondern »ein Volk«) wirft die Frage auf, in wessen Namen die vier sprechen. Gras beantwortet sie, in dem er einen Blick in die Kulissen der Bewegung wirft, Entscheidungsprozesse und praktische Probleme (Wie organisiert man eine angemeldete Demonstration? Wo findet man Sanitäter für den Notfall?) schildert.“

Gerhard Midding, epd Film

„Mit Fingerspitzengefühl und Intelligenz … zeigt Emmanuel Gras die Hoffnung, die in diesen neuartigen Aktivisten steckt, ihre Organisation, die noch in den Kinderschuhen steckt, und ihre Angst vor der Abstieg, die für einen Moment überwunden ist. »Wir haben festgestellt, dass wir viele sind, die sich jeder in seiner Ecke schämen«, erzählt einer von ihnen. »Gemeinsam stellten wir fest, dass wir uns viel weniger schämten.«“

Marianne

„EINE REVOLUTION erscheint zum richtigen Zeitpunkt, einige Monate vor den nächsten Präsidentschaftswahlen, um uns daran zu erinnern, dass nicht nur ein großer Teil der französischen Bevölkerung leidet, sondern dass neue Formen des Protests möglich sind, sofern sie richtig kanalisiert werden. Der Dokumentarfilm von Emmanuel Gras ist ein lebendiges Zeugnis dieses Kampfes, ohne zu polemisieren und auch ohne ihre allzumenschlichen Fahnenträger übermäßig zu idealisieren.“

Critique Film FR

„No longer a journalistic, historical
or sociological response to the Yellow
Vest Movement, but a properly cinematographic response.“

Cahiers du Cinema

Emmanuel Gras (Regie)

Nach einem Geschichtsstudium besucht Emmanuel Gras, geboren in Cannes, die Filmhochschule Louis Lumière, arbeitet eine Zeitlang für andere Regisseure, um dann seine eigenen Filme zu realisieren. Schwerpunkt: gesellschaftlich relevante soziale Themen.

Filmographie:
2017 MAKALA (DOKU)
2014 300 HOMMES (DOKU)
2013 ÊTRE VIVANT (KURZ)
2011 BOVINES (DOKU)

Text: Marit Vahjen / Braunschweig International Film Festival